Der digitale Produktpass (DPP) funktioniert wie ein digitaler Zwilling für physische Produkte, der per QR-Code oder RFID-Chip autorisierten Nutzern Zugriff auf eine zentrale Datensammlung gibt, in der alle relevanten Informationen über das Produkt hinterlegt sind. Dazu zählen zum Beispiel die Herkunft der Rohstoffe, der CO₂-Fußabdruck sowie Reparatur- und Wartungsinformationen. Ziel ist eine lückenlose Dokumentation von der Herstellung bis zum Recycling. Für Unternehmen wird dadurch erstmals die eigene Lieferkette vollständig sichtbar.
Transparenzwunsch ohne technologische Vorgaben
Mit dem digitalen Produktpass ändern sich die Anforderungen an Produktdaten. Die EU fordert strukturierte, standardisierte und interoperable Daten, gibt hierzu aber keine Technologie vor. Unternehmen sollen zentral und konsistent Produktdaten erfassen und verfügbar machen und außerdem Produkte langlebiger, reparierbarer und recyclingfähiger gestalten – auch hier bleibt die technische Umsetzung offen. Es könnten beispielsweise ERP-Systeme erweitert, Plattformen genutzt oder eigene Lösungen entwickelt werden, um eine zuverlässige „Single Source of Truth“ je Produkt bereitstellen zu können.
Der Zeitplan für den digitalen Produktpass ist straff: Ab Februar 2027 müssen Industrie- und Fahrzeugbatterien bereits einen digitalen Batteriepass haben. In den nächsten Jahren folgen Elektro- und Elektronikprodukte, Textilien sowie Möbel. Bis 2030 soll der digitale Produktpass für viele EU-Produkte Pflicht sein. Die EU weist fortwährend darauf hin, dass Unternehmen jetzt mit der Datenauswertung und Strategieentwicklung beginnen und nicht auf finale Regelungen warten sollten.
Digitale Kompetenz als Wettbewerbsvorteil
Besonders Importeure und Hersteller betroffener Produktgruppen sowie alle Unternehmen entlang der Lieferkette müssen den digitalen Produktpass (DPP) beachten, sofern Produkte in der EU verkauft werden. Der DPP steht eng mit anderen EU-Vorschriften zur Transparenz in der Lieferkette in Verbindung. So verpflichtet die CBAM-Verordnung Importeure außerdem dazu, die CO₂-Emissionen ihrer Waren lückenlos zu melden. Insgesamt zeigt sich eine wachsende Verantwortung der Hersteller für korrekte und vollständige Produktdaten. Hohe Bußgelder drohen.
Für KMU verändert der digitale Produktpass Prozesse und Datenmanagement grundlegend. Trotz anfänglicher Kosten zeigen sich Vorteile wie bessere Kundenbindung durch transparente Lieferketten, effizientere Produktion, weniger Ressourcenverbrauch, neue datenbasierte Services und eine reibungslosere Zusammenarbeit mit Partnern. Experten sehen transparente Produktdaten klar als neuen Wettbewerbsfaktor. Für KMU könnten ein frühzeitiger Aufbau digitaler Kompetenzen und die systematische Erfassung von relevanten Daten entscheidend für die Zukunftsfähigkeit im EU-Binnenmarkt sein – wer nicht handelt, riskiert, den Anschluss im europäischen Markt zu verlieren.
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